Programmbeschwerde zum Beitrag auf zdfheute vom 04.11.2025:

 Wie Sie Jodmangel erkennen und vorbeugen 

 


Meine Damen und Herren,

ich protestiere entschieden gegen die beigefügte Sendung. Sie haben von mir bereits mehrfach Artikel und Hinweise zum Thema Jodprophylaxe erhalten. Es gibt seit Jahren eine Vielzahl kritischer Stimmen zu diesem Thema und auch faktisch belegte Gegenargumente. Trotzdem veröffentlichen Sie immer wieder eine völlig undifferenzierte Propaganda zu Jodsalz mit sehr fragwürdigen Aussagen. Sie könnten es wirklich besser wissen. Folgende Aussagen sind falsch:

"In pflanzlichen Lebensmitteln ist kaum welches drin" (Jod) - Fruchtsäfte (z.B. schwarze Johannisbeere), Gemüse (z.B. rote Beete, Kartoffeln), z.B. Kakao (Rainer Hampel und Helmut Zöllner 2004 ) - Diese Aussage ist schlicht nicht richtig. Es gibt sehr wohl pflanzliche Lebensmittel, welche hohe Gehalte an Jod haben, nicht zuletzt sind Algenprodukte auch pflanzliche Lebensmittel. Eine Versorgung mit Jod ist also bei einer bewussten Ernährung sehr wohl auch mit pflanzlichen Lebensmitteln möglich.

"So enthalten unsere Böden zu wenig Jod" - Eine solche pauschale Aussage ist ebenfalls falsch. Erstens: weil der Jodgehalt der Böden in Deutschland variiert, Zweitens: weil wir Deutschen hohe Mengen an Lebensmitteln aus aller Welt importieren, Drittens: weil viele Tonnen an Jod über das Tierfutter und die resultierenden Exkremente der Tiere auf unsere Äcker gelangt sind und auch aus Abfällen in den Naturkreislauf gelangen.

"In den 80iger und 90iger Jahren hatte sich die Jodversorgung in der Bevölkerung deutlich verbessert, nämlich durch die Verwendung von Jodsalz..." - Die Jodversorgung hatte sich vor allem auch durch den Einsatz von jodiertem Viehfutter "verbessert". Jodsalz war in den 90iger Jahren schon wieder rückläufig (Rainer Hampel und Helmut Zöllner 2004 ). An dieser Stelle darf ich auf meine Kritik am Podcast im Anhang verweisen. Das Thema Jodprophylaxe nur auf die Jodsalzversorgung zu reduzieren und die Futtermitteljodierung wegzulassen ist eine unentschuldbare und fahrlässige Unterlassung.

"Doch dieser Trend ist wieder rückläufig. (Jodsalzeinsatz) Das liegt auch an modernen Ernährungsformen. Biolebensmittel und pflanzliche Ersatzprodukte sind seltener jodiert." - Diese Aussage ist zu pauschal. Es mag zwar sein, dass in Biolebensmitteln weniger Jodsalz und dafür mehr Meersalz oder Steinsalz eingesetzt wird, jedoch werden auch in der Ökolandwirtschaft jodhaltige Futtermittelzusätze verwendet. Bei einer Milchprüfung 2017 fiel vor allem Biomilch durch hohe Jodgehalte auf (Stiftung Warentest).

"bis hin zu Schilddrüsenkrebs" - Diese Ableitung ist falsch. Dafür gibt es meines Wissens nach keine Evidenz. Im Gegenteil: Eine umfassende Monitoringstudie aus den USA weist darauf hin, dass sowohl Mortalität als auch Krebserkrankungen bei Menschen mit hohen Jodgehalten im Urin höher liegen bzw. häufiger vorkommen als bei Menschen mit Jodmangel (siehe Chronik und Kritik zur Jodprophylaxe).

Zudem ist die implizite Aussage, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung durch mehr Jod profitieren könnte, ebenfalls nicht belegbar. In der beigefügten Antwort auf eine Kleine Anfrage wird sehr deutlich, dass nur ein sehr geringer Teil der Schilddrüsenpatienten unter nachgewiesenen Jodmangelerkrankungen leidet. Die Mehrheit leidet unter einer Unterfunktion, welche auf zu hohe Jodaufnahme zurückgeführt werden kann (Dissertation Mashoufi).

Außerdem stellt sich die Frage, welche Auswirkungen eine höhere Jodzufuhr auf Menschen hat, welche eben nicht zu diesem angeblichen Drittel gehören und der Jodprophylaxe ebenfalls pauschal unterworfen werden. Während die Amerikaner dieser Frage in ihren Monitoringstudien nachgehen, verweigert sich der Arbeitskreis Jodmangel (von dem ihr Beitrag kommt), einer solchen Debatte seit Jahrzehnten und reitet völlig einseitig das Thema Jodmangel, welches eben nicht für alle Bürger zutreffend ist.

Ich würde mir sehr wünschen, dass das ZDF dieses wichtige Thema endlich einmal differenziert beleuchtet und nicht nur die 40 Jahre alte Jodsalzpropaganda des Arbeitskreises Jodmangel und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gebetsmühlenartig übernimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Timo Böhme